Minenaufklärung aus der Luft: Xensor entwickelt Drohnentechnik fürs Militär

Minen zählen noch immer zu den gefährlichsten Hinterlassenschaften moderner Kriege. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen könnte fast ein Viertel der Ukraine mit Landminen und anderen explosiven Kampfmitteln verseucht sein. Während Minen schnell gelegt sind, ist die Räumung mühsam und gefährlich. „Soldatinnen und Soldaten stochern mit Minensuchnadeln nach Kampfmitteln und notieren Funde auf Papier“, erklärt Alexander Petri die traditionelle Minensuche. Er leitet den Verteidigungsbereich im Defense-Tech-Unternehmen Xensor, das im Sommer 2026 im Triple Z gegründet wurde. „Wir machen Minenaufklärung schneller und sicherer. Xensor bietet drohnenbasierte Systeme, mit denen Minen aus sicherer Entfernung erkannt, digital erfasst und KI-gestützt analysiert werden.“

Traditionelle Minenräumung (Fotos: xensor/CIHBW).

Mine ist nicht gleich Mine

Statt ein womöglich vermintes Gebiet selbst zu betreten, fliegt eine mit Sensoren ausgestattete Drohne die Fläche ab. Eine besondere Rolle spielt dabei die Multisensorik. Denn Mine ist nicht gleich Mine. Xensor kombiniert unterschiedliche Sensortechnologien wie Magnetometer und Infrarotsensorik, um verschiedene Minen-Arten zu identifizieren. Erkennt das System Anomalien im Boden, die auf Kampfmittel hindeuten, werden diese digital aufbereitet in einer interaktiven Karte angezeigt. Die Auswertung der Funde erfolgt KI-gestützt in Echtzeit. „Die KI bewertet die gesammelten Sensordaten, um Minenstandorte und Platzierungsmuster zu identifizieren“, erklärt Alexander Petri. „Die Verantwortlichen können dann beurteilen, ob ein minenfreier Korridor durchfahren werden kann oder ob zunächst geräumt werden muss. Je schneller klar ist, wo sich Kampfmittel befinden und wie eine Sperre aufgebaut ist, desto schneller kann diese Entscheidung getroffen werden.“ Der Zeitgewinn gegenüber traditioneller Minensuche liege bei 50 bis 55 Prozent, so Alexander Petri. Die Erkennungsgenauigkeit erreiche fast 100 Prozent.

Minenaufklärung per Drohne.

Technologie für die Truppe

Xensor ist eine Ausgründung der ASDRO GmbH, die seit 2021 ihren Sitz im Triple Z hat und die technologische Grundlage zur Kampfmittelsondierung per Drohne entwickelt hat. Ein wichtiger Impuls für die Ausgründung kam über eine Kooperation mit der Bundeswehr. Im Projekt „Minesweeper“ des Bundeswehr Cyber Innovation Hubs testete ASDRO erfolgreich die Minensuche per Drohne.

Während ASDRO weiterhin im zivilen Bereich Kampfmittel sondiert, spezialisiert sich Xensor auf den militärischen Bereich und die Anforderungen der Streitkräfte. „Die entscheidende Frage ist immer, was die Truppe im Einsatz tatsächlich braucht“, sagt Alexander Petri. „Da geht es zum Beispiel um die Farbe der Drohne, die im Gelände nicht auffallen darf. Außerdem muss das System kompakt sein, um neben der übrigen Ausrüstung Platz zu finden.“ Wichtig sei aber vor allem der Faktor Zeit. Während die Auswertung bei einer zivilen Erkundung nachträglich erfolgt, müssen Ergebnisse im militärischen Einsatz sofort vorliegen.

Vom Militäreinsatz zur Minenräumung

Ende 2026 soll das System für Sicherheit und Verteidigung nutzbar sein. Dabei denkt Xensor nicht ausschließlich an die Bundeswehr. Die Technologie soll grundsätzlich auch für andere NATO-Streitkräfte und humanitäre Organisationen nützlich sein. „In ehemaligen Kriegsgebieten können die gewonnenen Daten für die Räumung genutzt werden“, sagt Alexander Petri. „Für die Bevölkerung geht es dann um ganz konkrete Fragen wie: Wann kann eine Straße wieder genutzt werden oder wann kann ein Feld wieder bewirtschaftet werden?“

Xensor will seine Produktionskapazitäten deutlich ausbauen und die Zahl der Beschäftigten von derzeit vier auf rund 40 bis Ende des Jahres 2026 erhöhen. Denn mit zunehmender Zahl verminter Konfliktgebiete wächst auch der Bedarf an schneller und sicherer Erkennungstechnologie, die das Risiko für Menschen minimiert.