Steuererklärung auf dem Bierdeckel – klappt schon privat nicht. Richtig anspruchsvoll wird das Thema Steuern allerdings für Gründerinnen und Gründer. Denn auf Unternehmen können unter anderem auch Umsatzsteuer, Körperschaftssteuer, Gewerbesteuer und Lohnsteuer zukommen.

„Der falsche Umgang mit dem Thema Steuern kann das vorzeitige Ende einer Existenzgründung bedeuten“, weiß Steuerberaterin Jessica Göttgens, die ihre Kanzlei im Steigerhaus des Triple Z führt. Etwa ein Viertel ihrer Beratungsanfragen kommen von Gründerinnen und Gründern. Dabei berät Jessica Göttgens eigentlich am liebsten vor der eigentlichen Gründung. Denn auf dem Weg zum eigenen Unternehmen lauern einige Fettnäpfchen.

Steuern – Fragen an Steuerberaterin Jessica Göttgens:

Einfach mal loslegen! Keine gute Idee auf dem Weg in die Selbständigkeit?

„Gar keine gute Idee! Zu mir kommen immer wieder Menschen, die deshalb Ärger haben. Da wurde das Finanzamt vorab nicht informiert, Rechnungen wurden ohne Steuernummer geschrieben und es wurden keine Umsatzsteuervoranmeldungen beim Finanzamt abgegeben. Letzteres fällt schon in den Bereich der Steuerhinterziehung.

Statt einfach loszulegen, sollte ein Termin für den Start der Selbstständigkeit festgelegt werden. Dann kann mit ausreichend Vorlauf geplant werden. Denn Bürokratie kostet Zeit: Allein bis zum Erhalt einer Steuernummer können je nach Auslastung der Finanzämter zwei Monate vergehen. Auch Wartezeiten für Schriftwechsel oder Termine sollten einkalkuliert werden.“

Vor der Gewerbe-Anmeldung muss die Rechtsform gewählt werden…

„…und das ist eine sehr wichtige Entscheidung, da eine spätere Umwandlung teuer ist. Leider gibt es bei dieser Frage keine allgemeingültigen Empfehlungen. Denn welche Rechtsform gewählt wird, hängt von sehr vielen Faktoren ab, z.B. von der Branche und dem Startkapital. Ich empfehle daher dringend, diese Entscheidung nach einer Gründungsberatung zu treffen. Die professionelle Beratung kostet zwar etwas, kann aber hinterher sehr viel Geld sparen.“

GbR, GmbH, UG… wie wirkt sich die Rechtsform auf das Thema Steuern aus?

„Grundlegend. Die GmbH zum Beispiel ist bei Gründenden sehr beliebt, denn sie unterliegt der Körperschaftssteuer in Höhe von derzeit 15% des Gewinns. Personengesellschaften wie GbRs zahlen mit der Einkommenssteuer häufig mehr, denn hier gibt es Spitzensätze von bis zu 45%. Aber: Eine GmbH hat nicht nur Vorteile. Sie ist gewerbesteuerpflichtig, setzt ein hohes Mindestkapital voraus und es gibt strengere Vorschriften bei der Buchführung. So müssen bei jeder Rechtsform Vor- und Nachteile abgewogen werden.“

Was sind die häufigsten Fehler bei Steuern und Finanzen?

„Der größte Fehler ist, nicht alle anfallenden Steuern zu berücksichtigen. Zu mir kommen dann Gründerinnen und Gründer, die vielleicht Umsatzsteuer vorausgezahlt haben, aber die Einkommenssteuer und Gewerbesteuer vergessen haben. Kommt dann eine Nachzahlung für mehrere Jahre, kann das schon das Aus für ein Unternehmen bedeuten. Einige vergessen auch weitere Kosten, die in der Selbstständigkeit dazu kommen, zum Beispiel Pflichtbeiträge zur Berufsgenossenschaft. Gleiches gilt für Beiträge zur Krankenversicherung oder Rentenversicherung, die in der Kalkulation fehlen.“

Zusammengefasst: Was ist der wichtigste Ratschlag für Gründungswillige?

„Früh mit der Planung starten und Fachleute mit ins Boot holen! Das muss nicht zwingend eine Steuerberatung sein. Auch allgemeinere Gründungsberatung kann schon helfen, Fehler zu vermeiden, die später teuer werden. So können sich junge Unternehmen auf ihr eigentliches Geschäft konzentrieren.“

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