Wie kommt mein Produkt auf dem Markt an? Wie gewinne ich Kunden? Mit welchem Umsatz kann ich rechnen…? Wer gründen möchte, startet mit einigen Unsicherheiten. Wer sich aber für eine Firmenübernahme entscheidet, kennt viele Rahmenbedingungen schon. Das Geschäft ist auf dem Markt etabliert und häufig gibt es einen festen Kundenstamm.

30.000 Firmenübergaben gibt es in Deutschland jedes Jahr, schätzt das Institut für Mittelstandsforschung. Eine davon war im Jahr 2020 die „ExGuide Technology“, ein Unternehmen mit Sitz im Essener Triple Z. Jungunternehmer Geoffrey Stenzel hat das Ingenieur-Büro für Schlagwetter- und Explosionsschutz übernommen und führt es nun im Stellwerk-Gebäude des Gründungs- und Unternehmenszentrums.

Firmenübernahme – Fragen an Geoffrey Stenzel, ExGuide Technology:

Wie kam es zur Firmenübernahme? Hast du dich gezielt darum bemüht?

„Die Idee, mich selbständig zu machen, hatte ich schon länger im Hinterkopf. Dass daraus eine Firmenübernahme wird, hat sich so ergeben. Bis dahin war ich als Sachverständiger und Zulassungsbeauftragter angestellt. Durch diese Arbeit habe ich ein gutes Netzwerk zu Prüf- und Zertifizierungsdienstleistern, Herstellern und Kollegen aufgebaut. Dazu gehört auch der Vorbesitzer der ExGuide Technology, Günter Kämper. Als sich sein Ruhestand näherte und er einen Nachfolger suchte, war das für mich einfach die Gelegenheit. Ich kannte das Unternehmen schon mehrere Jahre und wusste, dass es solide ist und einen guten Ruf hat. Deshalb dachte ich mir: So eine Chance bekommst du kein zweites Mal.“

Wie lief die Übergabe?

„Die Chemie zwischen mir und dem Vorbesitzer stimmt, das ist ein großer Vorteil. Günter Kämper hat mich in der Übergangsphase eng begleitet und auch darüber hinaus haben wir häufig telefoniert. Ich habe mir während dieser Zeit alles angeguckt und überlegt, was ich so weiterführe und was ich eventuell verändere.“

Verändert hast du dann zum Beispiel den Unternehmensstandort.

Das Stellwerk des Triple Z: Firmensitz der ExGuide Technology (Foto: Yannik Willing/Triple Z AG).

„Das Unternehmen hatte seinen Sitz in Castrop-Rauxel, ich wollte aber gerne näher an meinem Wohnort arbeiten. So bin ich auf das Triple Z gestoßen, wo gerade das Stellwerk frei geworden war. Für mich passte das wunderbar: Büros auf einer ehemaligen Zeche, mitten im Ruhrgebiet. Schließlich arbeite ich in einem Themengebiet, das mit Bergbau zu tun hat.

Außerdem gefällt mir im Triple Z die Infrastruktur, die ich dazu bekomme: Das Bistro, Konferenzräume und Netzwerkveranstaltungen. All das hätte ich an einem anderen Firmensitz so nicht gehabt.“

Wo siehst du Vorteile gegenüber einer Neugründung?

„Eine eigene Firma zu gründen, wäre für mich auch in Frage gekommen. Jetzt sehe ich aber deutlich die Vorteile, die die Übernahme hat. Ich konnte einen kompletten Kundenstamm übernehmen und hatte von Beginn an Aufträge. Ich musste auch nicht alles neu erfinden, sondern konnte auf funktionierende Abläufe zurückgreifen. Sehr hilfreich war natürlich auch, dass ich mit dem Vorbesitzer einen Sparringspartner habe, dem das Wohlergehen „seiner Firma“ so am Herzen liegt, dass er mich sehr unterstützt.“

Wo liegen die Herausforderungen einer Übernahme?

„Wenn das Unternehmen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beschäftigt, werden diese automatisch übernommen. Das muss man einplanen. Denn gesetzlich ist festgelegt, dass die alten Arbeitsverträge weiter Bestand haben. Mit der Firmenübernahme wird man also sofort Arbeitgeber – mit allen Pflichten, die daran hängen. Das erhöht den Druck, wenn man gerade erst in die Selbstständigkeit gestartet ist und schon Personalkosten hat. Es ist außerdem auch nicht selbstverständlich, dass die Chemie zwischen den Angestellten und dem neuem Chef stimmt. Vor allem, wenn man neue Wege einschlagen möchte und Dinge verändert.

In meinem Fall habe ich kein Personal übernommen, da z.B. ein langjähriger Mitarbeiter kurz vor der Rente stand. Daher musste ich mich mit diesem Thema nicht beschäftigen.“

Dein Fazit zur Firmenübernahme?

„Wer ganz konkrete Vorstellungen vom eigenen Unternehmen hat, sollte sich eine Übernahme gut überlegen. Ein traditionsreiches Unternehmen, das vielleicht schon 30 Jahre auf dem Markt ist, krempelt man nicht komplett um. Da musste ich einige Kompromisse machen – was sich aber gelohnt hat.

Zurzeit bin ich auf der Suche nach einem Techniker oder einer Technikerin, weil ich aufgrund der zahlreichen Aufträge Unterstützung – auch im Labor – für elektrische Prüfungen brauche. Neben den bestehenden Kunden konnte ich auch schon neue dazu gewinnen.

Alles in allem kann ich sagen: Ich würde es wieder so machen.“

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IHK zu Essen: Unternehmensveräußerung und Betriebsübernahme