Was die Finanzwelt schon lange nutzt, ist im Energiemarkt relativ neu: Der Handel an der Börse mithilfe von Algorithmus basierten Programmen und, im Falle von Unigy, künstlicher Intelligenz.

Team Unigy – von links: Khouschnaf Ibrahim, Matthias Lohse, Hind Seiferth und Jan Knoche.

Die vier Gründer nutzen das Beste, was ihnen zur Verfügung steht: Software, in die sie ihre eigene Logik einbauen, künstliche Intelligenz, die Entscheidungen aufgrund gewonnener Erfahrungen sammelt, und nicht zuletzt ihre insgesamt 50 Jahre Berufserfahrung bei großen Energiekonzernen. Mit ihrem Produkt unterstützen sie die Energiehersteller und -versorger, beste Preise beim Kauf oder Verkauf von Energie zu erzielen. „Eigentlich ist es ein risikoloses Geschäft“, sagt Gründer Khouschnaf Ibrahim. „Wenn uns ein Kunde beauftragt, dann gewinnt er auf jeden Fall dazu.“

Unterstützung bei Energieprognosen

Ein typischer Kunde für Unigy sei zum Beispiel ein Stadtwerk, erklärt Gründer Jan Knoche: „Stadtwerke müssen aufgrund ihrer Prognosen zur richtigen Zeit die richtige Menge Energie für die Kunden zur Verfügung stellen. Bei den Prognosen gibt es aber immer wieder Abweichungen, die das Stadtwerk unter Umständen teuer zu stehen bekommen: So muss bei einer höheren Energienachfrage die fehlende Menge schnell und zu hohen Preisen nachgekauft werden – das Stadtwerk macht Verlust. Ist der Bedarf an Energie aber geringer als prognostiziert, muss das Stadtwerk den Strom zu schlechten Preisen verkaufen, denn der kann nur unwirtschaftlich in großen Mengen gespeichert werden.“

Idealpreise erzielen

„Unsere Algorithmen helfen dabei, zum richtigen Zeitpunkt und zu vorher festgelegten Idealpreisen Energie zu kaufen oder zu verkaufen, um die Prognoselücken zu schließen“, erklärt Gründerin Hind Seiferth. „Die Algorithmen sind so programmiert, dass sie den Markt rund um die Uhr beobachten. Gleichzeitig überwachen sie Risiken. Große Datenmengen aus Gegenwart und Vergangenheit werden ausgewertet, und Preisentwicklungen für die Zukunft auf dieser Grundlage simuliert. So werden in jedem Fall bessere Preise erzielt, als es ein Stadtwerk selbst könnte – denn die Stadtwerke sind in erster Linie Energieversorger, und keine Händler.“

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Besonders bei erneuerbaren Energien aus Wind- oder Solarkraft kommt es naturbedingt zu größeren Preisschwankungen. Weht der Wind stark, wird viel Strom produziert und das Angebot steigt. Dadurch fällt der Preis. Wenn es keinen Wind gibt, lässt das Angebot bei gleichbleibender Nachfrage nach – der Preis für Strom aus Windkraft steigt.

Optimierung von Energieproduktion

Auch Hersteller von Energie, wie Kraftwerke, profitieren von den Produkten von Unigy: Wenn der Preis für Energie ganz unten ist, dann kann es für Kraftwerksbetreiber günstiger sein, Energie einzukaufen, statt sie selbst herzustellen. Dann belastet der Kraftwerkbetrieb nicht das Konto, und dennoch versorgt das Kraftwerk seine Abnehmer. In Zeiten, in denen der Strompreis sehr hoch ist, kann im Umkehrschluss die Produktion hochgefahren und die erzeugte überschüssige Energie zu Bestpreisen verkauft werden – der Kraftwerksbetreiber macht Gewinn.

Vielversprechende Aussichten

Nicht nur die Skalierbarkeit ist gegeben, mittelfristig könnte das Angebot auch auf den Gasmarkt angewendet und der Bereich der Portfolioberatung ausgebaut werden. Zunächst konzentrieren sie sich aber auf den Markteintritt.

Die Kombination aus Software, Logik und KI ist dabei einzigartig, erklären die Gründer. „Wir haben viele Jahre in einem Konzern zusammen gearbeitet. Das Potenzial für die Idee haben wir im Gespräch mit Kunden entdeckt – und eigentlich war es nie die Frage, ob wir uns damit selbstständig machen, sondern eher: wann und wie“, sagt Jan Knoche.

Aus dem Konzern in die Selbstständigkeit

Dabei birgt der Sprung aus dem Konzernumfeld in die Selbstständigkeit einerseits Risiken, die gut abgewägt werden müssen – andererseits sind die Gestaltungsmöglichkeiten und Freiräume riesig, da sind sich die vier einig. Und Khouschnaf Ibrahim bringt es auf den Punkt: „Es ist viel anstrengender, als vorher – aber macht auch viel mehr Spaß!“

Dass das vierköpfige Team im Triple Z seinen Gründungssitz hat, liegt nicht nur an seiner  geografischen Lage als Mittelpunkt zwischen Hamm, Sprockhövel und Mettmann, von wo Khouschnaf Ibrahim, Jan Knoche und Matthias Lohse pendeln. „Ich habe mich im Camp.Essen umgehört und Kontakte geknüpft, als ich die GmbH im letzten Jahr zunächst alleine gegründet habe“, erzählt Hind Seiferth. „Ich komme aus Essen, das Triple Z wurde mir empfohlen, und meine drei Mitgründer haben ihr ok gegeben – und so sind wir nun hier.“

Foto oben: Khouschnaf Ibrahim bei der Arbeit.
Alle Fotos: Unigy GmbH

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