Nachhaltiges Bauen: Architekturunternehmen TOMAS macht aus Alt Neu

Eine verfallene Zeche in ein Gründungs- und Unternehmenszentrum zu verwandeln – das wäre ein perfektes Projekt für TOMAS Transformation of Material and Space gewesen. Vor 30 Jahren, als das Triple Z durch den Umbau von Zollverein 4/5/11 entstand, waren die TOMAS-Gründerinnen allerdings noch Kinder. Dafür gehören die Architektinnen Katharina Neubauer, Sofia Ceylan und Annabelle von Reutern heute zu den Unternehmerinnen des Triple Z. Ihr frauengeführtes Architekturunternehmen hat sich auf nachhaltiges Bauen im Bestand spezialisiert. „Wir sehen im Gebäudebestand ein großes, ungenutztes und oft unterschätztes Potenzial“, sagt Dr.-Ing. Katharina Neubauer, die ein Büro in Gebäude 10 des Triple Z bezogen hat. „Deshalb investieren wir in bestehende Bausubstanz.“

Umnutzung statt Leerstand

Lichthof der ehemaligen Honigkuchenfabrik in Braunschweig. Unter dem Fußboden fanden die Architektinnen noch ein Honigkuchen-Rezept des herzoglichen Hof-Kuchenbäckers. Alle Fotos: TOMAS.

TOMAS setzt auf Leerstands-Aktivierung. „Ein schönes Beispiel ist die Honigkuchenfabrik aus dem 17. Jahrhundert, die wir gerade in der Braunschweiger Innenstadt umbauen“, sagt Katharina Neubauer. „Das denkmalgeschützte Fachwerkhaus stand mehrere Jahre in den oberen Etagen leer, obwohl in der Studierendenstadt Wohnungsmangel herrscht. Jetzt entstehen dort zehn kleinere Wohnungen.“ Die Wohnungen werden behutsam in die historische Struktur integriert, wofür Innenwände brandschutz- und schallschutztechnisch ertüchtigt werden. Wo möglich, bleiben Lehmwände erhalten und erhalten neue Lehmputze, die ein angenehmes Raumklima schaffen. Ergänzungen wie Sanitärzellen und Küchenzeilen entstehen in Leichtbauweise. „Das Gebäude besitzt eine baukulturelle Bedeutung, so arbeiten wir eng mit der Denkmalschutzbehörde zusammen. Für die denkmalgerechte Sanierung des vorderen Treppenhauses haben wir eine Farbschichtenanalyse beauftragt, um den ursprünglichen Farbton zu bestimmen“, erzählt die Architektin.

Wettbewerbsbeitrag der TOMAS-Architektinnen für den Umbau des ehemaligen Karstadt-Warenhauses in Celle.

Nicht jeder Leerstand eignet sich zum Wohnungsbau. Für Gebäude, deren Nachnutzung schwierig erscheint, erstellt TOMAS Machbarkeitsstudien und Nutzungskonzepte. Beim Wettbewerb zur Umwandlung des ehemaligen Karstadt-Warenhauses in Celle schlugen die Architektinnen beispielsweise eine Kombination aus Markthalle und Datenzentrum vor. „Die oberen Etagen der Warenhäuser sind stets hermetisch abgeriegelt – ideal für eine Serverhalle“, sagt Katharina Neubauer „Die innerstädtische Lage bietet perfekte Möglichkeiten zur Nutzung der Abwärme in den nahegelegenen Gebäuden.“ Neben Kaufhäusern erstellen die Architektinnen auch Nachnutzungskonzepte für Kirchen, Hallen oder Bürobauten – auch ein Schloss war schon dabei.

Wiederverwenden statt Wegwerfen

Etwa die Hälfte der Gebäude, die TOMAS reaktiviert, sind denkmalgeschützt. In allen Projekten setzt das Architekturunternehmen auf Nachhaltigkeit. „Wo es sicherheitstechnisch vertretbar ist, verwenden wir Bauteile wieder“, sagt Katharina Neubauer. „Selbst wenn eine Wiederverwendung nur als Recyclingmaterial wie als Terrassenfüllung möglich ist, trägt das zu einer kreislaufgerechten Sanierung bei.“

Dreiseithof in Brandenburg.

Auch biobasiertes Bauen ist den TOMAS-Architektinnen wichtig. Aktuell wird ein Dreiseithof in Brandenburg umgebaut, der lange leer stand. Das gesamtheitliche Konzept umfasst die Sicherung der Scheune bei maximalem Erhalt der Struktur, die Instandsetzung des Langstalls sowie die Modernisierung des Haupthauses. Bei der Sanierung werden natürliche Materialien zum Einsatz kommen. „Ein neuer Lehmputz an den Innenwänden wird hier für ein angenehmes Raumklima sorgen“, weiß die Architektin.

Essen und Berlin

TOMAS wurde 2024 in Berlin gegründet. Frauengeführt und mit einem Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit wollen die Gründerinnen die Baubranche nachhaltig und zukunftsorientiert weiterentwickeln. In der Hauptstadt finden regelmäßig Ausstellungen, Workshops und Vorträge statt, in denen die Architektinnen Wissen zur Umbaukultur vermitteln.

Während Katharina Neubauer bisher wegen eines Lehrauftrags an der Hochschule Luzern in der Schweiz lebte, zog es sie nun zurück in ihre Heimat Essen. „Von vornherein war klar, dass wir neben Berlin auch einen Standort im Ruhrgebiet brauchen, denn die Nachnutzung von Schwerindustrie hat viel Potential“, sagt Katharina Neubauer. „Dass ich nun im Triple Z in einem ehemaligen Zechengebäude arbeiten kann, passt perfekt zu dem, wofür wir als Architekturunternehmen stehen.“