Schach auf Bundesliga- und Großmeister-Niveau, Fußball in der zweituntersten Spielklasse und eine Kraftsportabteilung, die nach erfolgreichen Jahren in Regional- und Bundesliga derzeit keine Mannschaft stellen kann – so präsentieren sich die Sportfreunde Katernberg in ihrem Jubiläumsjahr. Den 100. Gründungstag feierte der Traditionsverein in der Lohnhalle des Triple Z.

ernbEin Neuanfang zum 100. Geburtstag – das hatten sich die Fußballer der Sportfreunde Katernberg eigentlich anders vorgestellt: Am 16. Juni, dem letzten Spieltag der Saison 2012/2013, unterlagen die Katernberger mit 1:3 gegen Eintracht Borbeck. Und so fehlte ihnen das eine einzige Pünktchen, das den Abstieg in die Kreisliga B verhindert hätte. So tief war der Verein, der zu seinen Glanzzeiten um die Deutsche Meisterschaft mitgespielt hatte, noch nie gesunken.

Einerseits bitter. Andererseits „haben wir trotz allem für die neue Saison eine Mannschaft aufstellen können, die hochmotiviert ist“, so Gerd Velten, 1. Vorsitzender der Sportfreunde: 18 junge Spieler aus dem Stadtteil, die nicht des Geldes wegen sondern aus Spaß am Fußball jede Woche auflaufen. Das Ziel sei natürlich der Wieder-Aufstieg, „aber wenn es damit erst in der kommenden Spielzeit klappt, ist das auch noch früh genug“.

In den besten Zeiten kamen 25.000 Fans

Im Hintergrund die Schachttürme von Zollverein 4/5/11. Quelle: Sportfreunde Katernberg.

Die Glanzzeit der Sportfreunde Katernberg waren die ersten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg: In der Spielzeit 1947/48 erreichten die Essener mit knappem Rückstand hinter Borussia Dortmund den zweiten Platz der Oberliga West und qualifizierten sich damit für die Finalrunde der Deutschen Meisterschaft. Mit der Niederlage gegen Eintracht Braunschweig gab es hier zwar ein frühes Aus. Dennoch waren die Sportfreunde Katernberg fortan ein Begriff im deutschen Fußball. Hinzu kommt, dass Nationaltorhüter Heinz Kubsch sowie der legendäre Helmut Rahn zeitweise für die Sportfreunde spielten. Den größten Respekt hatten die jeweiligen Gegner während dieser Zeit jedoch in erster Linie vor dem Publikum im engen „Stadion Lindenbruch“: 25.000 Schlachtenbummler drängten sich auf den Tribünen. Und die Züge, die oberhalb der Zuschauerränge auf der Strecke der Köln-Mindener-Eisenbahn verkehrten, stoppten während der Spiele, damit die Fahrgäste eine Zeit lang zuschauen konnten – so jedenfalls geht die Legende.

Tatort-Dreh mit Kommissar Haferkamp

Tatsache ist, dass der Verein damals von der Zeche Zollverein unterstützt wurde und als „Betriebself der Zeche“ galt. Tatsache ist außerdem, dass die Platzanlage 1976 zu Fernsehruhm kam: Der Essener Tatort-Kommissar Heinz Haferkamp (Hansjörg Felmy) ermittelte in Sachen „Fortuna III“. Den Weg ins Profilager und damit zu regelmäßigen TV-Auftritten schafften die Katernberger zwar dennoch nicht, spielten jedoch immer wieder in hohen und höchsten Amateurklassen mit, noch 1989 zum Beispiel in der Oberliga Niederrhein.

Nachwuchs-Förderung in Fußball und Schach

Obwohl die Sportfreunde derzeit nicht vom Erfolg verwöhnt sind, hat die Fußballabteilung heute dennoch immerhin rund 350 Mitglieder – der größte Teil davon gehört zur Jugendabteilung, die in nahezu allen Altersklassen mit mindestens einer Mannschaft vertreten ist. Eine A-Jugend fehle derzeit zwar. „Doch auch in der ältesten Klasse werden wir wohl in der kommenden Saison wieder ein Team stellen“, so Herbert Kutsch, 2. Vorsitzender und Mitglied des Vorstands der Jugendabteilung.

Training.

Auch wenn es derzeit also wieder recht gut laufe, streben die Sportfreunde dennoch eine Fusion mit dem Nachbarverein DJK Essen-Katernberg an, denn „im Essener Norden ist die Vereinsdichte zu groß, und wir machen uns gegenseitig nur unnötig Konkurrenz“, so Velten. Zudem steige durch eine solche Fusion die Chance, dass die Stadt Essen einen der nächsten Kunstrasenplätze in Katernberg einrichte. Denn nach und nach sollen alle Vereine eine solche Spielfläche erhalten, rund 40 gibt es bereits – die Warteliste jedoch ist immer noch lang. „Dort, wo die Fußballer bereits auf Kunstrasen kicken können, sind die Mitgliederzahlen jeweils sprunghaft in die Höhe geschnellt“, erklärt Velten.

Der Schachabteilung der Sportfreunde gehören aktuell 120 Spieler an, darunter ebenfalls überdurchschnittlich viele Jugendliche. Während andere traditionsreiche Vereine, darunter sogar die „Essener Schachgesellschaft“, in den vergangenen Jahren den Spielbetrieb einstellen mussten, wuchsen die Sportfreunde Katernberg sogar. Schlüssel zum Erfolg ist nicht zuletzt eine enge Zusammenarbeit mit Schulen und eine gezielte Nachwuchsförderung. Die Schachspieler aus dem Essener Norden behaupten sich erfolgreich seit Jahren in der Schach-Bundesliga und belegen regelmäßig vordere Plätze bei Pokalwettbewerben und weiteren überregionalen Turnieren.